Das Naturschutzgebiet Skjern Å in Westjütland ist das größte jemals in Dänemark durchgeführte Naturrenaturierungsprojekt und eines der ehrgeizigsten Nordeuropas. In den 1960er Jahren wurde die Skjern Å — der wasserreichste Fluss des Landes — begradigt und ihr breites Tal für Ackerland entwässert und gepflügt, in einem Vorhaben, das damals als Ingenieurstriumph gefeiert wurde. Innerhalb einer Generation wurden die Kosten deutlich: schwindende Tierwelt, absackende Böden und ein verschmutzter Ringkøbing-Fjord. Zwischen 1999 und 2003 machte der Staat die Arbeit rückgängig, ließ den Fluss wieder über rund zweitausend Hektar mäandern und stellte Dänemarks einziges echtes Flussdelta wieder her, wo die Skjern auf den Fjord trifft.
Das Ergebnis ist eine Landschaft, die zugleich uralt und erstaunlich neu wirkt. Der Fluss schlingt sich nun in großen Mäandern durch Feuchtwiesen, Röhrichte und flache Seen, und die Natur ist zurückgeströmt. Dies ist eines der besten Vogelbeobachtungsgebiete des Landes: Watvögel und Enten drängen sich in den Sümpfen, Gänse und Schwäne sammeln sich zur Zugzeit in großer Zahl, Rohrweihen streichen über das Schilf, und der Fischotter ist an die Wasserläufe zurückgekehrt. Im Herbst können spektakuläre Starenschwärme — das Phänomen, das die Dänen ‚sort sol‘, schwarze Sonne, nennen — in der Dämmerung über die Feuchtgebiete kreisen.
Für Besucher ist das Reservat großzügig ausgestattet und völlig kostenlos. Ein Netz aus Wander- und Radwegen, Parkplätzen, Aussichtspunkten und Vogelbeobachtungshütten durchzieht das Tal, sodass man für einen kurzen Spaziergang vorbeischauen oder einen halben Tag mit Erkunden verbringen kann. Erhöhte Aussichtspunkte wie der an der alten nördlichen Pumpstation bieten weite Panoramen über das Delta, am schönsten im Morgengrauen, wenn das Licht tief steht und die Vögel aktiv sind. Informationstafeln entlang des Weges erklären sowohl die Entwässerungsgeschichte als auch die Renaturierung und machen den Ort zu einer lebendigen Lektion, wie Landschaften wiederhergestellt werden können.
Die Hauptwege und mehrere Hütten sind fest und recht eben, für die meisten Besucher geeignet, während die wilderen Ränder des Marschlands unebener und mitunter nass sind, sodass festes Schuhwerk ratsam und ein Fernglas nahezu unverzichtbar ist. Da es sich um offene, natürliche Landschaft handelt, gibt es keine festen Öffnungszeiten; sie lässt sich ganzjährig genießen, doch Frühjahrs- und Herbstzug sind die Hochsaison für das Vogelleben.
Planen Sie mindestens ein paar Stunden ein, mehr, wenn Sie ein begeisterter Vogelbeobachter sind oder eine ganze Runde gehen möchten. Das Reservat liegt gleich westlich der Stadt Skjern und lässt sich leicht mit den weiteren Sehenswürdigkeiten der Westküste verbinden — Ringkøbing-Fjord, die langen Nordseestrände und der Fischerort Hvide Sande sind alle in der Nähe. Für alle, die sich für das wilde Dänemark und für das interessieren, was großangelegte ökologische Renaturierung erreichen kann, ist das wiedergeborene Tal der Skjern ein wahrhaft erhebender Ort zum Wandern.
Ein Insider-Tipp
Steigen Sie im Morgengrauen zum Aussichtspunkt Pumpestation Nord für den besten Blick über das Delta und seine Vögel.
Anfahrt
Westlich der Stadt Skjern in Westjütland; Parkplätze und Wanderstarts entlang des Tals.
Beste Besuchszeit
Frühjahrs- und Herbstzug, wenn das Vogelleben des Feuchtgebiets seinen Höhepunkt erreicht.
Barrierefreiheit
Hauptwege und einige Beobachtungshütten sind fest und recht eben; Teile des Marschlands sind uneben.

