Saltholm ist eine niedrige, flache Insel im Öresund östlich der Küste von Amager, nur wenige Kilometer vom Zentrum Kopenhagens entfernt und doch in ihrer Atmosphäre eine völlig andere Welt. Kaum über den Meeresspiegel ragend, wurde ihre baumlose Weite aus Wiesen, Salzmarschen und flachen Lagunen über Jahrhunderte von weidendem Vieh und den rastlosen Wassern des Sunds geformt. Saltholm gehört zu den wichtigsten Vogelschutzgebieten Nordeuropas: Jedes Frühjahr brüten hier Tausende von Eiderenten, Säbelschnäblern, Seeschwalben und Gänsen, und während der Brutzeit von etwa April bis Mitte Juli sind große Teile der Insel für Besucher gesperrt, um die Kolonien zu schützen. Auf den umliegenden Sandbänken ruhen Seehunde, und die Gewässer rund um die Insel gehören zu einem geschützten Natura-2000-Gebiet. Saltholm war nie dicht besiedelt; eine kleine bäuerliche Gemeinschaft bewirtschaftet seit Langem die Allmende, und der Kalkstein der Insel wurde einst gebrochen, um Kirchen und Festungen in Kopenhagen zu errichten. Umgeben von alten Küstenbefestigungen und einigen verwitterten Hofgebäuden bewahrt die Insel einen abgeschiedenen, urtümlichen Charakter, der so nah an einer Hauptstadt selten ist. Es gibt keine Brücken und keine Fähren mit festem Fahrplan – Saltholm ist nur mit kleinen Privatbooten erreichbar – und weder Geschäfte noch Cafés oder Einrichtungen, sodass Besucher sich selbst versorgen und keine Spuren hinterlassen müssen. Im Süden liegt die künstliche Insel Peberholm, die für die Öresundbrücke aufgeschüttet wurde und einen eindrucksvollen Kontrast zwischen unberührter Natur und moderner Ingenieurskunst bildet. Für Vogelbeobachter, Wanderer und Liebhaber weiter Horizonte bietet Saltholm einen riesigen Himmel, salzigen Wind und die stille Gesellschaft weidender Rinder. Hier lässt sich die raue, offene Landschaft des Sunds erleben, wie sie seit Generationen aussieht – zerbrechlich, geschützt und zutiefst friedlich. Wer die saisonalen Zugangsregeln beachtet, wird mit einem seltenen Gefühl der Einsamkeit belohnt.



