Prøvestenen ist eine künstliche Insel im Öresund vor der Ostküste Amagers, nur ein Stück südlich der Kopenhagener Innenstadt. Ihr Name geht auf das Linienschiff Prøvestenen zurück, ein ausgemustertes Kriegsschiff, das zu Beginn des 19. Jahrhunderts hier versenkt wurde, um eine schwimmende Batterie zu bilden und die Einfahrt zur Hauptstadt zu bewachen. Um diesen Rumpf herum entstand allmählich eine befestigte Insel — Teil jenes Rings von Seeforts, der nach dem britischen Bombardement von 1807 zum Schutz des Hafens angelegt wurde. Jahrzehntelang starrte die Insel vor Kanonen und diente als militärischer Stützpunkt in dem Gewässer, in dem sich die dänische und die schwedische Küste gegenüberliegen. Heute zeigt Prøvestenen ein ganz anderes Gesicht. Im Laufe des 20. Jahrhunderts wurde sie aufgeschüttet und erweitert und ist zu einem der wichtigsten Arbeitshäfen Kopenhagens herangewachsen — eine Landschaft aus Ölterminals, Massengutkais, Tanklagern und Windrädern, die die moderne Stadt versorgen. Dennoch ist die Insel nicht ganz der Industrie überlassen. An ihren Außenrändern hat sich eine Erholungsseite entwickelt: Prøvestenen besitzt einen kleinen Strand und einen Badebereich mit ruhigem Wasser, beliebt bei Winterbadern und Kajakfahrern, sowie weite Ausblicke über den Sund zum Middelgrundfort und zur Brücke nach Schweden. Angler werfen ihre Ruten vom steinigen Ufer aus, und die flache, windumtoste Umgebung lockt Spaziergänger, die den rauen, unpolierten Charakter schätzen, der sich so sehr von den gepflegten Parks der Innenstadt unterscheidet. Prøvestenen ist somit ein Ort der Gegensätze — historische Festung und summender Hafen, Schwerindustrie und stiller Badeplatz — eine Erinnerung daran, wie Kopenhagen seine Küstenlinie immer wieder umgeformt hat. Ein Besuch belohnt den neugierigen Reisenden mit einem ungewöhnlichen, stimmungsvollen Winkel der Hauptstadt, in dem maritime Geschichte, arbeitende Hafenfront und salzige Freiluftvergnügen am Rand des Meeres zusammentreffen.



