CopenHill, offiziell Amager Bakke, ist eines der kühnsten Architekturstücke im modernen Kopenhagen und ein nahezu perfekter Ausdruck dänischen Designdenkens. 2017 eröffnet und von der Bjarke Ingels Group entworfen, ist es zugleich ein hochmodernes Müllheizkraftwerk und ein öffentlicher Berg, der schwere Industrieinfrastruktur in eine Erholungslandschaft hüllt, die die ganze Stadt nutzen kann. In einem Land fast ohne natürliche Hügel bauten die Architekten kurzerhand einen.
Die Idee ist entwaffnend logisch. Die Anlage verbrennt jährlich Hunderttausende Tonnen Hausmüll und erzeugt Wärme und Strom für Zehntausende Haushalte, und ihr langes, geneigtes Dach - das auf rund fünfundachtzig Meter ansteigt - wird als künstliche Skipiste, Wanderweg und eine der höchsten Kletterwände der Welt genutzt. Statt ein Kraftwerk am Stadtrand zu verstecken, macht der Entwurf es zum Ziel und liefert damit ein ernsthaftes Argument dafür, wie Städte Nachhaltigkeit, Infrastruktur und Alltagsfreude verbinden können.
Architektonisch ist es ein Wahrzeichen. Die Fassade aus Aluminiumziegeln klettert in gestapelten Pflanzkästen empor, und die Dachlandschaft wirkt wie ein echter Hang und nicht wie ein Gag. Das Projekt wurde 2021 zum World Building of the Year gekürt, was seinen Platz unter den einflussreichsten Bauten seiner Generation bestätigt. Für alle mit Interesse an zeitgenössischer Architektur ist es unverzichtbares Kopenhagen und steht neben den Hafenbädern und Radbrücken der Stadt als Beweis einer Designkultur, die von öffentlicher Infrastruktur erwartet, zugleich schön und nützlich zu sein.
Das Besuchserlebnis ist erfrischend praktisch. Im Winter lässt die Trockenpiste Skifahrer und Snowboarder aller Niveaus Abfahrten unterschiedlichen Schwierigkeitsgrades fahren; das ganze Jahr über windet sich ein Wanderweg durch bepflanzte Terrassen hinauf zu einer Dachbar und einem Aussichtspunkt. Vom Gipfel umfasst das Panorama den Öresund, die Offshore-Windräder, die Brücke nach Schweden und die flache Silhouette Kopenhagens. Oben gibt es ein Café und eine Bar, was den Aufstieg ebenso zu einem geselligen wie zu einem sportlichen Ausflug macht.
Etwas Planung hilft. Der Wanderweg und der Aussichtspunkt auf dem Dach sind kostenlos und ganzjährig geöffnet, während Ski, Snowboard und Kletterwand kostenpflichtige Aktivitäten mit eigenen Saisons und Zeiten sind; ein Aufzug bringt weniger mobile Besucher zum Gipfel, auch wenn die Pisten steil und uneben sind. Klare Nachmittage und die Stunde vor Sonnenuntergang bieten das beste Licht und die besten Ausblicke. CopenHill liegt im Stadtteil Amager östlich des Zentrums, erreichbar mit Metro oder Bus und einem kurzen Fußweg, mit Parkplätzen vor Ort.
Mehr als eine Kuriosität fängt CopenHill etwas Wesentliches darüber ein, wie Dänemark baut: pragmatisch, grün, verspielt und ohne Scheu, neu zu denken, was ein Stück öffentlicher Infrastruktur sein kann. Es lohnt einen Besuch sowohl als Architektur als auch als wirklich vergnüglicher Nachmittag.
Ein Insider-Tipp
Der Wanderweg auf dem Dach ist kostenlos und auch bei geschlossener Piste geöffnet - gehen Sie bei Sonnenuntergang für das beste Licht über den Öresund.
Anfahrt
Im Stadtteil Amager östlich der Kopenhagener Innenstadt. Metro oder Bus Richtung Amager, dann ein kurzer Fußweg oder Taxi; Parkplätze vor Ort.
Beste Besuchszeit
Klare Nachmittage für das Dachpanorama; Winter, wenn Sie auf der Kunstpiste Ski oder Snowboard fahren möchten.
Barrierefreiheit
Ein Aufzug bringt Besucher zum Aussichtspunkt am Gipfel, die Wander- und Skipisten selbst sind jedoch steil und uneben.


