Farø ist eine kleine, flache Insel im Storstrømmen, jener Meerenge, die im Süden Dänemarks die große Insel Seeland von Falster trennt. Verwaltungstechnisch gehört sie zur Kommune Vordingborg, und bekannt ist sie heute weniger für ihre wenigen Höfe und stillen Felder als für das eindrucksvolle Bauwerk, das sie überquert. Die 1985 eröffneten Farø-Brücken führen die Autobahn E47/E55 – die Hauptverkehrsader in Richtung Lolland, Fehmarnbelt und Deutschland – in zwei Abschnitten über die Insel. Im Norden schwebt eine lange Niedrigbrücke dicht über dem Wasser, während sich im Süden eine markante Schrägseilbrücke mit ihrem schlanken Pylon über die See erhebt und Schiffen die Durchfahrt in der Fahrrinne darunter ermöglicht. Für die meisten Reisenden ist Farø nur ein grüner Streifen Land zwischen zwei großen Brücken, im Vorbeifahren erhascht – doch wer innehält, entdeckt mehr. Ein Rastplatz auf der Insel lädt zu einer Pause ein, und von der Küste öffnet sich der Blick über das glitzernde Wasser zu den bewaldeten Ufern Seelands und Falsters. Die umliegenden Gewässer und schilfgesäumten Flachwasserzonen sind reich an Vogelleben, und die flache, windgestreifte Landschaft besitzt jene karge, lichte Schönheit, die für die Inselwelt der dänischen Südsee so typisch ist. Bevor die Brücken gebaut wurden, führte die Storstrøm-Brücke im Westen den gesamten Verkehr nach Falster; die Querung über Farø entlastete die alte Route und veränderte die Verbindungen der ganzen Region. Wer hier steht, das Summen des Verkehrs über sich und Möwen über der Strömung, spürt zugleich die tiefe Ruhe eines ländlichen Eilands und die rastlose Bewegung eines Landes, das von seinen Brücken zusammengehalten wird.

