Das Ekkodalen, das Echotal, ist der eindrucksvollste Abschnitt von Dänemarks längstem Spaltental, das sich mitten auf Bornholm durch den großen Wald Almindingen zieht. Auf etwa einem Kilometer verläuft der Weg zwischen senkrechten Granitwänden, die sich bis zu 20 Meter über den Talgrund erheben und stellenweise kaum 70 Meter voneinander entfernt sind. Klatscht man in die Hände oder ruft zu den Felsen hinüber, kehrt die eigene Stimme einen Herzschlag später zurück — jenes Echo, das dem Tal seinen Namen gab und die Besucher seit weit über zwei Jahrhunderten begeistert.
Das gesamte Spaltensystem erstreckt sich über rund 12 Kilometer, vom Feuchtgebiet Vallensgård Mose durch Almindingen und weiter durch Flæskedal, Kløvedal und Kelseådal bis nach Saltuna an der Nordostküste der Insel, doch das eigentliche Ekkodalen ist der berühmte Kern nahe dem Ekkodalshuset. Das Tal entstand entlang einer alten Verwerfung im harten Grundgestein Bornholms, und die steilen Hänge an der Westseite heißen Styrtebakkerne, die „Sturzhügel".
Der Ort hieß nicht immer Ekkodalen. Ursprünglich war es das Kodalen, das Kuhtal, nach einem königlichen Erlass von 1658, der den Bauern der Gegend hier freies Weiderecht gewährte; der poetischere Name kam um 1746 auf. Die heutige Gestalt des Tals verdankt sich vor allem Hans Rømer, dem ersten königlichen Förster Bornholms von 1800 bis 1836, der das Gebiet 1809 mit einer Steinmauer umfriedete und den Wald pflanzte, aus dem Almindingen wurde — heute der drittgrößte Wald Dänemarks.
Ein Detail belohnt die Neugierigen. Das schönste Echo hört man nicht irgendwo, sondern an der Quelle Hans Christian Ørsteds, einem alten heiligen Brunnen, dem man lange Heilkraft nachsagte, etwa zwanzig Meter den Weg entlang gegenüber dem Ekkodalshuset. Die Quelle erinnert an den Physiker Ørsted, der 1819 die Geologie Bornholms erforschte und sich mit dem Förster Rømer anfreundete. Über das Tal verstreut liegen stille Denkmäler — für die Wohltäterin Marie Kofoed, für Rømer selbst und für einen jungen Pfadfinder, Johannes V. Andersen, der 1947 von den Felsen in den Tod stürzte, eine ernste Mahnung, auf den markierten Wegen zu bleiben.
Ein Besuch ist ein echtes Vergnügen. Gepflegte Pfade und Holztreppen führen hinab ins Tal und hinauf zu Aussichtspunkten am Rand, vorbei an Farnen, moosbewachsenen Felsblöcken und hohen alten Bäumen. Das Ekkodalshuset am Eingang bietet Erfrischungen, Informationen und einen natürlichen Ausgangspunkt, und das Wegenetz ist mit längeren Routen durch Almindingen verbunden, etwa dem Aufstieg zum Aussichtsturm Rytterknægten. Der Talgrund selbst ist recht eben, doch die Treppen und der unebene, bisweilen schlammige Untergrund erschweren den vollständigen Zugang für Rollstühle; die Aussichtspunkte oben erreicht man über Stufen.
Frühling und Frühsommer sind zauberhaft, wenn die Buchen austreiben und weiße Anemonen den Waldboden bedecken, während der Herbst goldene Farben und jene tiefe Stille bringt, die das Echo am besten trägt. Der Sommer ist am belebtesten, und das Tal kann voller Familien sein, die ihre Rufe an den Felsen erproben.
Die Anreise ist einfach. Das Ekkodalen liegt in der Mitte Bornholms, etwa eine Viertelstunde Fahrt von Rønne und nahe Aakirkeby, mit einem Parkplatz am Ekkodalshuset. Im Sommer bringen das Busnetz der Insel und die vielen markierten Radrouten durch Almindingen einen fast bis an den Rand des Tals, ein schöner Halt auf einem längeren Tag im grünen Inneren Bornholms.
Ein Insider-Tipp
Gehen Sie etwa 20 Meter links vom Ekkodalshuset zur Quelle Hans Christian Ørsteds — dort ist das Echo am stärksten. Wenden Sie sich der höchsten Felswand zu und rufen Sie deutlich.
Anfahrt
In der Mitte Bornholms, etwa 15 Fahrminuten von Rønne und nahe Aakirkeby; Parkplatz am Ekkodalshuset. Im Sommer erreichen Inselbusse und markierte Radrouten durch Almindingen das Tal.
Beste Besuchszeit
Spätfrühling und Frühsommer für frisches Buchenlaub und Anemonenteppiche, oder der Herbst für goldene Farben und das klarste Echo.
Barrierefreiheit
Der Weg auf dem Talgrund ist recht eben, doch Holztreppen und unebener, mitunter schlammiger Boden erschweren den vollen Rollstuhlzugang; die Aussichtspunkte an der Klippenkante erreicht man über Stufen.



