Am windigen Ostrand von Svaneke, der östlichsten Stadt Dänemarks, steht eines der überraschendsten Stücke moderner Architektur des Landes: ein Wasserturm, den ein junger Jørn Utzon 1951 entwarf, zwei Jahre bevor er den Wettbewerb zum Bau der Oper von Sydney gewinnen sollte. Wo die meisten Wassertürme rein funktional sind, verwandelte Utzon einen gewöhnlichen kommunalen Auftrag in eine skulpturale Aussage, und das Ergebnis ist zu einem geliebten Wahrzeichen der Stadt und einem kleinen Wallfahrtsort für Liebhaber dänischen Designs geworden.
Die Form des Turms bleibt sofort im Gedächtnis. Statt den Behälter auf einem massiven Schaft zu verbergen, hob Utzon ein schlankes zylindrisches Reservoir hoch in die Luft auf drei gespreizte Betonbeine, sodass das ganze Bauwerk an ein Dreibein oder eine startbereite Rakete erinnert. Der rohe, brettverschalte Beton und die klare Geometrie wirken erstaunlich ihrer Zeit voraus; man spürt bereits die konstruktive Kühnheit und die Vorliebe für ausdrucksstarke Schalen, die später Utzons weltberühmte Oper auf der anderen Seite der Erde prägen sollten. Es ist eine Erinnerung daran, dass große Architektur an den bescheidensten Orten erscheinen kann und der schlichten Aufgabe dient, das Trinkwasser einer Stadt zu speichern.
Da er auf einer offenen, ebenen Lichtung am Stadtrand steht, lässt sich der Turm leicht umrunden und aus jedem Winkel bewundern. In der Regel gibt es kein Ticket und keinen Innenbesuch — dies ist ebenso eine Freiluftskulptur wie Infrastruktur —, doch Fotografen und Designbegeisterte verbringen gerne zwanzig Minuten damit, ihn zu umkreisen und zu beobachten, wie sich die drei Beine und die schwebende Trommel gegen den Himmel verschieben. An einem klaren Tag, im Ostseelicht und vor blauem Hintergrund, ist der Turm wahrhaft eindrucksvoll.
Der Besuch lässt sich perfekt mit Svaneke selbst verbinden, einem Juwel von Hafenstadt, das wiederholt zur schönsten Dänemarks gewählt wurde. Ihre steilen Gassen mit Fachwerk- und bunt bemalten Häusern fallen zu einem behaglichen Granithafen hinab, und die Stadt ist berühmt für ihre Craft-Brauerei, ihre Räuchereien mit goldenem geräuchertem Hering und ihre unabhängigen Läden und Ateliers. Ein typischer Ausflug verbindet einen Spaziergang durch die alten Gassen, eine Kostprobe des lokalen Bieres und geräucherten Fisches und einen kurzen Fußweg hinaus zum Utzon-Turm.
Jeder klare Tag ist eine gute Zeit für einen Besuch; um Öffnungszeiten muss man sich nicht sorgen, da das Äußere stets sichtbar ist. Svaneke liegt an der Ostküste Bornholms, eine landschaftlich reizvolle Fahrt oder Inselbusfahrt von Rønne entfernt, und der Turm ist bequem zu Fuß vom Hafen zu erreichen. Die Umgebung ist offen und eben, sodass der Turm für alle Besucher leicht vom Boden aus zu sehen ist. Für jeden, der die Geschichte eines der größten Architekten des 20. Jahrhunderts verfolgt, ist dieses stille Wahrzeichen Bornholms ein unverzichtbarer und unerwarteter Halt.
Ein Insider-Tipp
Verbinden Sie ihn mit einem Spaziergang nach Svaneke, mehrfach zur schönsten Stadt Dänemarks gewählt, mit seinen Craft-Brauereien und Räuchereien.
Anfahrt
Am Rand der Stadt Svaneke; zu Fuß vom Hafen erreichbar oder mit dem Inselbus von Rønne.
Beste Besuchszeit
Jeder klare Tag; die Betonform hebt sich schön vom blauen Himmel ab.
Barrierefreiheit
Der Turm steht in einem offenen, ebenen Bereich, gut vom Boden aus einsehbar; das Innere ist in der Regel nicht zugänglich.


