Die Ols-Kirche, örtlich Olsker genannt, ist die höchste und schlankste der vier außergewöhnlichen Rundkirchen Bornholms und erhebt sich weiß und trotzig über das wellige Ackerland an der Nordspitze der Insel. In der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts erbaut und dem heiligen Olav, dem norwegischen König und Märtyrer, geweiht, gehört sie zu einer Gruppe von Wehrkirchen, die für Bornholm einzigartig sind — Bauten, die Gott und Gemeinschaft dienten und zugleich bereitstanden, sie zu schützen. In einer Zeit, in der die Ostsee von Räubern und Piraten heimgesucht wurde, war die Kirche ebenso Festung wie Gotteshaus.
Die Architektur ist auffallend schlicht und kraftvoll. Ein einziges kreisrundes Kirchenschiff von etwa fünfzehn Metern Durchmesser besteht aus dicken Feldstein- und Bruchsteinmauern, innen und außen weiß getüncht und von einem steilen kegelförmigen Dach gekrönt. Anders als eine gewöhnliche Kirche mit Ost-West-Achse umschließt der runde Grundriss einen zentralen Pfeiler, von dem die Gewölbe ausstrahlen. Das Gebäude erhebt sich über drei Geschosse: das Erdgeschossschiff für den Gottesdienst, eine mittlere Ebene und eine obere Wehrgalerie, die über schmale, in die Mauerdicke eingelassene Treppen erreichbar ist. Von diesem obersten Stockwerk aus konnten Verteidiger das umliegende Land beobachten und Wertsachen und Menschen bei Angriffen schützen. Der ganze Bau wirkt weniger wie eine zierliche mittelalterliche Kirche als wie ein kompakter, muskulöser Turm.
Beim Betreten finden Besucher ein ruhiges, karges Inneres. Die weiß getünchten Wände und die einfache Ausstattung lenken den Blick auf den großen zentralen Pfeiler und das Lichtspiel aus kleinen Fenstern. Spuren des langen Lebens der Kirche — ein mittelalterliches Taufbecken, abgetretene Steinplatten und ein bescheidener Altar — belohnen einen ruhigen Blick. Die schmale Innentreppe zur oberen Galerie ist ein Höhepunkt für Abenteuerlustige und vermittelt ein lebhaftes Gefühl dafür, wie das Gebäude zugleich als Zuflucht diente.
Die Ols-Kirche ist noch immer eine aktive Pfarrkirche, daher werden Besucher um Rücksicht gebeten, besonders während der Gottesdienste. Sie liegt im kleinen Dorf Olsker, eine kurze Fahrt von der belebten Hafenstadt Allinge und den dramatischen Hammershus-Ruinen an der Nordküste entfernt, was sie leicht mit einem Tag zur Erkundung des nördlichen Bornholm verbinden lässt. Zusammen mit den Rundkirchen von Østerlars, Nylars und Nyker bildet sie eines der eigenwilligsten architektonischen Ensembles Dänemarks, und viele Besucher nehmen sich vor, alle vier auf einer Reise zu sehen.
Die Kirche ist tagsüber von Frühjahr bis Herbst in der Regel für Besucher geöffnet, mit einem kleinen Eintritt oder einer Spende zur Erhaltung. Kommen Sie im sommerlichen Tageslicht, um die Treppen zu erklimmen und die Aussicht zu genießen; die umliegenden Felder und die weiß getünchte Silhouette sind im klaren nördlichen Licht besonders fotogen. Olsker ist mit dem Auto auf der Straße 158 leicht zu erreichen, und ein Linienbus von Rønne bedient das Dorf. Das Erdgeschossschiff ist zugänglich, die oberen Galerien jedoch nur über die originalen steilen, engen Treppen.
Ein Insider-Tipp
Steigen Sie die steile Innentreppe zur oberen Wehrgalerie hinauf, um zu spüren, wie die Kirche zugleich als Festung diente.
Anfahrt
Mit dem Auto auf der Straße 158 nahe Allinge; der Linienbus von Rønne hält im Dorf Olsker.
Beste Besuchszeit
Sommertags, wenn die Kirche für Besucher geöffnet ist.
Barrierefreiheit
Das Kirchenschiff im Erdgeschoss ist zugänglich; die oberen Galerien sind nur über steile, enge Treppen erreichbar.



