Liselund, an der bewaldeten nordoestlichen Spitze der Insel Moen, ist eines der schoensten Beispiele romantischer Gartenkunst in Nordeuropa - ein kleines, traumhaftes Gut, geschaffen nicht, um mit Pracht zu beeindrucken, sondern um den Besucher mit Schoenheit, Melancholie und Ueberraschung zu bewegen. Es wurde in den 1790er Jahren von dem franzoesischstaemmigen Adligen Antoine de Bosc de la Calmette angelegt, der es nach seiner Frau Elisabeth, 'Lise', benannte, und es besteht heute fast als vollstaendiger, bewahrter Ausdruck der empfindsamen Ideale seiner Zeit.
In seinem Herzen steht Liselund Gammel Slot, das alte Herrenhaus: ein niedriges, elegantes Gebaeude im franzoesisch-klassizistischen Geschmack, unerwartet gekroent von einem geschwungenen Reetdach. Es ist ein kleines Meisterwerk, und seine intimen, schoen eingerichteten Innenraeume werden Besuchern in den Sommermonaten bei Fuehrungen gezeigt; das Haus wird vom Nationalmuseum Daenemarks verwaltet. Doch das wahre Wunder von Liselund ist die Landschaft ringsum. Der Park wurde von Andreas Kirkerup, einem der fuehrenden Landschaftsarchitekten der Zeit, so gestaltet, dass er als Abfolge von Stimmungen und nicht als einzelner Ausblick erlebt wird.
Gewundene Kieswege fuehren den Besucher hinab durch Schluchten und entlang kleiner Seen und Baeche, vorbei an einem Wasserfall und sorgfaeltig platzierten Denkmaelern, die Freundschaft und Liebe gewidmet sind - dem emotionalen Vokabular des romantischen Gartens. Zwischen den Baeumen verborgen liegen exotische Staffagebauten, die in den 1790er Jahren hoechst modern waren: ein Schweizer Haus, ein Chinesisches Sommerhaus und ein Norwegisches Haus, die jeweils wie ein kleines theatralisches Ereignis ins Blickfeld treten. Nichts ist symmetrisch oder grandios; alles ist so komponiert, dass es natuerlich, entdeckt, persoenlich wirkt. Der Garten will langsam durchschritten werden und belohnt dieses Tempo an fast jeder Biegung mit einem neuen Bild.
Liselund traegt auch einen Ton echter Romantik und des Verlusts. Ein Teil des urspruenglichen Guts, darunter ein groesserer Pavillon auf der Klippe, ging durch einen Erdrutsch ins Meer verloren und fuegt einem Ort, der zu ihrer Hervorrufung geschaffen wurde, eine Schicht echter Melancholie hinzu. Ein neueres Herrenhaus, spaeter auf dem Gut errichtet, wird heute privat als Hotel betrieben, doch der historische Garten und das alte Herrenhaus bleiben der Grund zu kommen.
Ein Besuch verbindet sich natuerlich mit Moens Klint, den dramatischen weissen Kreidefelsen nur wenige Kilometer entfernt, und beide zusammen ergeben einen der lohnendsten Ausflugstage in Sueddaenemark - das rohe Naturschauspiel der Felsen und dann die zarte, menschlich gemessene Kunstfertigkeit von Liselund. Klein, still und tief stimmungsvoll, ist es ein Ort, der lange nach dem Besuch in der Erinnerung nachklingt, genau wie es sein Schoepfer beabsichtigte.
Ein Insider-Tipp
Folgen Sie den Wegen hinab in die Schluchten, um das Schweizer Haus, das Chinesische Sommerhaus und das Norwegische Haus zwischen den Baeumen zu finden - der Garten wurde zum Entdecken zu Fuss gestaltet.
Anfahrt
An der nordoestlichen Spitze von Moen, etwa 8 km von Moens Klint. Mit Auto oder Rad ueber Borre und Magleby; am Gut gibt es einen Parkplatz. Verbinden Sie es mit einem Besuch der weissen Kreidefelsen.
Beste Besuchszeit
Mai bis September, wenn der romantische Garten gruent und das alte Herrenhaus fuer Fuehrungen geoeffnet ist.
Barrierefreiheit
Der Park hat abschuessige Kieswege und Stufen in die Schluchten, was anspruchsvoll sein kann; der Bereich um das alte Herrenhaus ist ebener.


