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Lindholm

Lindholm ist eine kleine, flache Insel in der Stege Bugt, dem seichten Gewässer zwischen dem südlichen Seeland und der Insel Møn, nahe dem Dorf Kalvehave in der Kommune Vordingborg. Mit einer Fläche von knapp 0,7 Quadratkilometern ist sie ein stiller Streifen aus Wiese, Gebüsch und Ufer, umgeben von ruhigem, geschütztem Wasser – und doch war sie fast ein Jahrhundert lang einer der abgeschottetsten und am strengsten bewachten Orte Dänemarks. Ab 1926 beherbergte die Insel das Staatliche Veterinärinstitut für Virusforschung, ein Hochsicherheitslabor, das die Maul- und Klauenseuche sowie andere hochansteckende Tierkrankheiten erforschte. Da diese Erreger eine ernste Gefahr für den dänischen Viehbestand darstellten, diente Lindholm als strenge Quarantänestation: Die Mitarbeiter setzten mit einer eigenen Fähre über, duschten und wechselten beim Verlassen die Kleidung, und die Öffentlichkeit wurde vollständig ferngehalten. Für Generationen von Anwohnern der Küste war die Insel eine geheimnisvolle Silhouette, die man sehen, aber nie betreten konnte. Die Forschungseinrichtung wurde schließlich aufgelöst und Ende der 2010er-Jahre geschlossen; die Arbeit zog in moderne Labore auf dem Festland um. 2018 rückte Lindholm kurzzeitig ins Zentrum einer landesweiten Debatte, als die Regierung vorschlug, auf der geräumten Insel abgelehnte Asylbewerber unterzubringen; der heftig kritisierte Plan wurde 2019 aufgegeben. Heute befindet sich Lindholm weiterhin in Staatsbesitz und ist für gewöhnliche Besucher nicht zugänglich; eine Touristenfähre gibt es nicht. Ihr Reiz ist vor allem historischer und landschaftlicher Art: Am besten betrachtet man sie von der Küste um Kalvehave und von Booten, die durch die Bucht fahren, wo ihre flache grüne Kontur, die Vogelwelt und das umgebende Wasser sowohl an die friedliche Küstenlandschaft von Møn als auch an die ungewöhnliche, geheimnisvolle Vergangenheit der Insel erinnern.