Endelave liegt still im Kattegat, eine flache, grüne Insel, die man mit der Fähre von Snaptun an der jütländischen Ostküste erreicht. Klein und beschaulich gehört sie zur Kommune Horsens, wirkt aber wie eine eigene Welt – mit weniger als zweihundert Einwohnern und einem Leben, das vom Meer und den Jahreszeiten bestimmt wird. Bei Einheimischen wie Gästen ist sie vor allem unter ihrem Kosenamen „Kaninøen“, die Kanincheninsel, bekannt, denn die wilden Kaninchen leben hier seit Generationen und lassen sich oft zwischen den Dünen und an den Feldrändern beim Grasen beobachten. Das Herz der Insel ist Endelave By, eine Gruppe gepflegter Häuser rund um die weiß getünchte Kirche, mit einem kleinen Hafen, einem Laden und einigen Orten zum Verweilen. Von hier öffnet sich eine flache, gut begehbare Landschaft aus Sandstränden, Heide, Wiesen und Schilf. Die ausgeschilderte „Kaninrute“ führt auf rund zweiundzwanzig Kilometern einmal um die Küste und ist ideal für Wanderer und Radfahrer, die die ganze Insel in ein oder zwei Tagen erkunden möchten. Im Norden liegt der alte Wald Louisenlund, ein beliebtes Ziel, dessen knorrige, windgeformte Bäume ihm eine fast märchenhafte Stimmung verleihen. Endelave belohnt alle, die zur Ruhe kommen. Vogelbeobachter schätzen das reiche Küstenleben, und auf den Sandbänken vor der Insel sind häufig Seehunde zu sehen. Die Insel hat einen sanften, selbstversorgenden Geist – man findet lokale Erzeugnisse, darunter Safran, der in diesem ungewöhnlich nördlichen Boden angebaut wird. Die Nächte sind dunkel, der Himmel weit, und den Takt gibt der Fährplan vor, nicht die Uhr. Ob zum Radfahren, Baden, zur Tierbeobachtung oder einfach zum Durchatmen – Endelave schenkt eine seltene Stille, einen unberührten Winkel Dänemarks, in dem Natur und kleine Inselgemeinschaft eng und herzlich verbunden bleiben.


