Schloss Broholm liegt im sanft gewellten Ackerland östlich von Gudme auf Fünen, ein weißes, grabenumzogenes Herrenhaus, dessen ruhige Symmetrie einen übergroßen Platz in der dänischen Kulturgeschichte verbirgt. Ein Gut hier lässt sich bis ins 14. Jahrhundert zurückverfolgen, doch das heutige dreiflügelige Haus nahm in der Renaissance Gestalt an und wurde in den folgenden Jahrhunderten verfeinert, stets vom breiten wassergefüllten Graben umgeben, der noch heute seine Mauern spiegelt.
Den Großteil seiner neueren Geschichte gehörte Broholm der Familie Sehested, und ihr verdankt das Schloss seinen Ruhm. Mitte des 19. Jahrhunderts, als Pflug und Entwässerung im fruchtbaren Gudme-Gebiet glitzernde Funde zutage förderten, begannen die altertumskundigen Besitzer, diese zu sammeln und — entscheidend — systematisch zu verzeichnen. Die Gegend erwies sich als eine der goldreichsten Landschaften Nordeuropas, das Herz eines eisenzeitlichen Machtzentrums. Die Sehested-Grabungen und die akribischen Kataloge, die sie erstellten, zählen oft zu den Gründungstaten der wissenschaftlichen Archäologie in Dänemark, und die großen Gudme- und Broholm-Horte, die sie mit ans Licht brachten, sind heute Schätze der Nationalsammlungen.
Heute wird Broholm als Schlosshotel und Restaurant geführt, sodass Besucher mehr tun können, als es von der Brücke zu bewundern: Man kann in seinen historischen Räumen speisen, unter seinen Balken schlafen oder einfach durch den frei zugänglichen Park und die Gärten am Graben gehen. Die Küche schöpft aus Fünens Speisekammer — die Insel ist Dänemarks Obstgarten — und ein Essen hier, mit Wasser und altem Mauerwerk vor den Fenstern, ist die genussvollste Art, den Ort aufzunehmen.
Die Umgebung belohnt langsames Streifen. Alte Bäume, Rasen und der stille Graben verleihen dem Gut eine tief friedliche Atmosphäre, und die umliegende Landschaft, gesprenkelt mit den Grabhügeln und Fundstellen des Gudme-Komplexes, lädt zu einem längeren archäologischen Spaziergang ein.
Die Zugänglichkeit ist ebenerdig angemessen — der Hof ist ebener Kies, das Restaurant schwellenlos — doch die historischen Zimmer sind über alte Treppen erreichbar, weshalb Reisende mit Mobilitätsbedarf vorab fragen sollten. Der Sommer ist die schönste Jahreszeit, wenn die Grabengärten voll stehen und die langen nordischen Abende spät über dem Wasser verweilen.
Broholm lässt sich leicht in eine Fünen-Route einfügen. Zug nach Nyborg oder Svendborg und weiter mit Lokalbus oder Taxi nach Gudme; das Schloss steht etwa einen Kilometer östlich des Dorfes. Verbinden Sie es mit der Landschaft Gudme-Lundeborg und der nahen Küste zu einem Tag, der von eisenzeitlichem Gold zu einem Abendessen bei Kerzenschein hinter einem Renaissancegraben führt.
Ein Insider-Tipp
Broholm war zentral für die Geburt der dänischen Archäologie im 19. Jahrhundert — die Familie Sehested grub die berühmten Gudme-Goldhorte in der Nähe aus. Fragen Sie beim Abendessen nach der Sammlungsgeschichte des Guts.
Anfahrt
Zug nach Nyborg oder Svendborg, dann Bus oder Taxi nach Gudme; das Schloss liegt 1 km östlich des Dorfes.
Beste Besuchszeit
Sommer, für die Grabengärten und die langen hellen Abende
Barrierefreiheit
Ebener Kieshof; das Restaurant ist schwellenlos, die historischen Zimmer jedoch nur über alte Treppen.

