Anholt liegt allein mitten im Kattegat, etwa auf halbem Weg zwischen der daenischen Kueste von Djursland und Schweden, und seine Abgeschiedenheit ist gerade der Reiz. Die dreistuendige Faehrueberfahrt von Grenaa gehoert zum Erlebnis: Wenn man im kleinen Hafendorf an Land geht, liegt das Festland wirklich weit zurueck. Mit nur rund 150 staendigen Bewohnern und keinen Autos fuer Besucher ist Anholt ein Ort fuer Wanderer, Radfahrer und alle, die grosse, leere Landschaften und klares nordisches Licht suchen.
Die Insel hat zwei sehr unterschiedliche Haelften. Das westliche Fuenftel um das Dorf ist gruen und besiedelt, mit gepflegten Holzhaeusern, einer Kirche, einigen Laeden und Cafes und langen Sandstraenden, die sich im Hochsommer sanft mit Familien fuellen. Die restlichen vier Fuenftel sind die Orkenen - 'die Wueste' - eine weite Flechtenheide, die als die groesste ihrer Art in Nordeuropa gilt. Sie wirkt urzeitlich, ist aber tatsaechlich von Menschenhand geschaffen: Jahrhunderte der Beweidung und Abholzung nahmen der Insel ihren Wald und hinterliessen eine blasse, duenenbedeckte Wildnis aus graugruenem Flechtenbewuchs, Strandhafer und Wind. Markierte Wege durchziehen sie, und in diese Stille hinauszuwandern, mit dem Meer stets irgendwo am Horizont, ist das praegende Anholt-Erlebnis.
Die Geschichte ist hier mit dem Meer verbunden. 1560 befahl Koenig Friedrich II. ein Leuchtfeuer auf Anholt, um Schiffe zwischen Nordsee und Ostsee zu leiten; der heutige Leuchtturm an der Ostspitze stammt von 1881 und markiert noch immer diese belebte, tueckische Passage. Vor der Kueste dreht sich heute ein grosser Windpark im flachen Wasser, und die Faehre umfaehrt ihn auf dem Weg in den Hafen.
Am aeussersten Ostpunkt, Totten, liegt eine der groessten Seehundkolonien Daenemarks. Es ist ein geschuetztes Reservat, fuer Besucher gesperrt, doch aus respektvoller Entfernung sind die Tiere oft zu sehen, wenn sie auf dem Sand ruhen. Auch die umliegenden Gewaesser und die Heide sind reich an Vogelleben, und die ganze Insel ist ein ausgewiesenes Naturgebiet - mit ein Grund, warum die Bebauung so gering geblieben ist.
Anholt ist keine Tagesausflugsinsel im gewoehnlichen Sinn; Faehrplan und Ueberfahrtszeit sorgen dafuer, dass die meisten Besucher mindestens eine Nacht bleiben, im kleinen Hotel, den Pensionen oder auf dem Campingplatz am Strand. Der langsame Rhythmus steht ihr gut. Die Tage vergehen mit Baden, Radfahren auf den Sandwegen, dem Gang zum Leuchtturm und frischem Fisch im Hafen, waehrend sich das Licht bis tief in den nordischen Abend zieht. Es gibt im organisierten Sinne wenig zu 'tun', und genau das ist der Reiz: Anholt bietet eine seltene Abgeschiedenheit, ein kleines gruenes Dorf am Rand einer Wueste am Rand des Meeres, wie kein anderer Ort in Daenemark.
Ein Insider-Tipp
Wandern Sie den markierten Weg durch die Wueste (Orkenen) zum oestlichen Leuchtturm, meiden Sie aber die Landspitze Totten im aeussersten Osten, wo eine grosse Seehundkolonie geschuetzt und fuer Besucher gesperrt ist.
Anfahrt
Eine Faehre von Grenaa an der Kueste von Djursland dauert etwa drei Stunden; fuer Besucher gibt es keine Autos, also Rad mitbringen oder wandern. Im Sommer rechtzeitig buchen.
Beste Besuchszeit
Juni bis August, wenn die Faehre am haeufigsten faehrt und die Wuestenheide und Straende am schoensten sind.
Barrierefreiheit
Dorf und Hafen sind zu Fuss erreichbar, doch die Wuestenpfade sind sandig und abgelegen; die Entfernungen sind gross, sodass die Insel fuer einigermassen mobile Besucher geeignet ist.

