Æbelø ist eine der größten unbewohnten Inseln Dänemarks – ein wildes, straßenloses Stück Natur im Kattegat, unmittelbar nördlich von Fünen. Die rund zwei Quadratkilometer große Insel gehört der Naturstiftung Aage V. Jensen, die sie als geschütztes Reservat verwaltet, in dem die Tierwelt Vorrang vor dem Menschen hat. Unvergesslich macht einen Besuch schon der Weg dorthin: Es gibt weder Brücke noch feste Fähre. Stattdessen watet und wandert man bei Niedrigwasser etwa 1,4 Kilometer über das flache Meer von Lindøhoved bei Bogense und passiert dabei die kleine Insel Æbeløholm. Die Route ist nur begehbar, wenn sich das Wasser zurückzieht, weshalb es unerlässlich ist, vor dem Aufbruch die Gezeiten zu prüfen – wer sich verschätzt, kann von der Flut überrascht werden. An Land betritt man eine scheinbar völlig unberührte Landschaft. Alter Laubwald, einer der am wenigsten gestörten des Landes, bedeckt weite Teile des Inselinneren; knorrige Eichen und Buchen bieten einer erstaunlichen Vielfalt an Leben Schutz. Dam- und Rehwild zieht lautlos zwischen den Bäumen umher, und Strände wie Wiesen locken das ganze Jahr über zahlreiche Vögel an. Auf den umliegenden Sandbänken ruhen mitunter Seehunde. Ohne Autos, Geschäfte oder festes Dorf bietet die Insel eine seltene Stille. Ein einzelner alter Hof und die Anwesenheit eines Wärters sind die einzigen Zeichen menschlichen Lebens. Markierte Pfade führen die Wanderer durch Wald und offene Küste und belohnen die Mühe der Überquerung mit weiten Blicken über das Wasser. Besucher werden gebeten, das Reservat zu achten: auf den Wegen bleiben, allen Abfall mitnehmen und den Tieren Raum lassen. Wer stille, elementare Orte liebt, findet in Æbelø ein kleines Abenteuer – eine Insel, die man sich zu Fuß verdienen muss, im Rhythmus der Gezeiten.
